Eine Hommage an das Amateurschach - Die Kreisliga 2 Nord 2025/26
(nf) Die dritte Mannschaft der SF Haselmühl/Amberg entstand in der Saison 2024/25. Die zweite Mannschaft war gerade in die Bezirksliga aufgestiegen, und die Idee war es nun, sowohl neuen Spielern jederzeit die Gelegenheit geben zu können, am Ligabetrieb teilzunehmen, als auch etablierte Hobbyspieler nach den schachlich mauen Coronajahren wieder zum Schach zurückzubringen. Insbesondere gab es damit, nachdem die zweite Mannschaft nun am gleichen Tag spielen würde wie die Erste, weiterhin einen Ausweichtermin, der es vielen Spielern, die in der zweiten Mannschaft ausfielen, erlaubte, die jeweilige Ligarunde stattdessen am nächsten Sonntag für die dritte Mannschaft zu bestreiten. Sportlich gab es zwar das Ziel, sich die Möglichkeit für den Aufstieg in die Kreisliga 1 offenzuhalten, und obwohl dieses Ziel dank eines Freiplatzes als Tabellenzweiter hinter dem übermächtigen TSV Nittenau 2 letztlich knapp erzielt wurde, wäre es kaum möglich gewesen, die zwei zusätzlichen Bretter in der Kreisliga 1 zu besetzen.
Zusätzlich wäre dort das Spielniveau sowohl für unsere Hobbyspieler an den vorderen Brettern als auch mögliche Ligaeinsteiger an den hinteren Brettern allgemein deutlich höher gewesen, zumal sich die zweite Mannschaft ebenfalls in einer Liga befand, in der an vielen Spieltagen guter Rat teuer war: Zwar schafften wir dort sensationell den Klassenerhalt, aber 15,5 Brettpunkte aus 56 Partien in dieser Saison verdeutlichten, dass wir permanent mehr oder weniger überlegenen Mannschaften gegenübersaßen. An dieser Stelle war es sinnvoll, Spielern auch die Möglichkeit zu geben, in der Kreisliga 2 auf vergleichbare oder auch etwas schwächere Spieler zu treffen.
Dementsprechend begann die Saison 2025/26 mit den gleichen Vorzeichen und Zielen wie die Vorangegangene: Erfahrung sammeln, Spaß haben, und im besten Falle den Aufstieg als Möglichkeit behalten, falls erneut ein ausreichend großer Spielerzuwachs gegeben ist.
Und diese Saison hatte es sportlich in sich: Sie begann mit einem soliden 2:2 gegen den SC Erbendorf 2, gefolgt von einem knappen 2,5:1,5 Sieg beim Mitfavoriten SV Oberviechtach 3. In der dritten Runde begrüßten wir nun die vierte Mannschaft des SV Oberviechtach, und man möchte meinen, dass diese Begegnung nach dem Sieg über deren dritte Mannschaft kein Problem darstellen würde, aber mitnichten: Mit dem Ausfall einiger Routiniers ging an diesem Tage nicht viel zusammen und wir verloren mit 1,5:2,5. Dass unser Spiel an diesem Tag überhaupt so reibungslos über die Bühne gehen konnte, nachdem die kalten Temperaturen an diesem Tag mein Gefährt zum Stillstand verdammten, war dem spontanen Einspringen Forsters als Mannschaftsführer, Reindls mit dem Zweitschlüssel fürs Sportheim, und Dechants als Ersatzfahrer für Jugendspieler Sohst zu verdanken. Die Tabellenführung hatte nun der SK Schwandorf IV inne, der von einer kampflosen ersten Runde gegen Roding profitierte, aber auch danach bisher nur einen Mannschaftspunkt abgab.
In der darauffolgenden vierten Runde verlor Schwandorf jedoch klar gegen den SV Oberviechtach 3, während unsere Dritte davon profitierte, dass sie daheim gegen den ebenfalls hoch gehandelten SC Furth im Wald 2 nicht antreten musste, dem es einerseits an Spielern, aber insbesondere an möglichen Fahrern für die Reise zum Mannschaftskampf fehlte. Somit übernahmen wir mit gerade einmal 5:3 Mannschaftspunkten die Tabellenführung, genau gleichauf mit dem SV Oberviechtach 3. Schwandorf lag gerade einmal einen halben Brettpunkt dahinter, mit den wiedererstarkten Rodingern 2 Brettpunkte hinter der Spitze.
Ausgerechnet diese vier führenden Mannschaften würden in der fünften Runde aufeinandertreffen. Bereits früh war klar, dass wir in Schwandorf einen eher schweren Stand haben würden, aber nachdem ein weiterer Spieler krankheitsbedingt absagen musste, durften wir am Ende noch froh sein, überhaupt eine dreiköpfige Mannschaft stellen zu können. Gegen die Schwandorfer Vertretung war trotzdem nicht viel zu machen, die Begegnung endete mit 3,5:0,5 für die Gastgeber. Das gleiche Ergebnis gab es auch im anderen Spitzenduell, in dem die SF Roding 2 den SV Oberviechtach 3 zu Hause begrüßten. Trotz solider Aufstellung kamen auch hier die Gäste nicht über einen halben Brettpunkt hinaus. Dementsprechend lagen die beiden Sieger nun mit 7:3 Mannschaftspunkten in Führung, bei noch zwei verbleibenden Runden. Bei 5:5 Punkten lagen Furth, die weiterhin punktgleichen Haselmühl/Amberger und Oberviechtach 3, sowie der SC Erbendorf 2.
In der sechsten Runde waren wir also, mit den Rodingern zu Gast, quasi in einer Must-Win-Situation. Gleichzeitig war Schützenhilfe von Furth gegen Schwandorf gefragt. Tatsächlich gewannen wir mit einer starken Aufstellung 3,5:0,5, während Schwandorf kampflos gegen Furth verlor. Oberviechtach 3 und Erbendorf konnten jeweils gewinnen, wodurch sensationell 6 Mannschaften mit 7:5 Punkten die Tabelle anführten. Furth hatte jetzt die Nase vorne, einen Brettpunkt vor Haselmühl/Amberg, einen Brettpunkt dahinter punktgleich Oberviechtach 3 und Schwandorf, und einen weiteren Brettpunkt dahinter ebenfalls gleichauf Erbendorf und Roding.
Zum Finale ging es für uns zum tabellenletzten SC Sulzbach-Rosenberg 2 zum einzigen Amberg-Sulzbacher Ligaderby dieser Saison. Die neue Sulzbacher Mannschaft konnte in dieser Saison nur die erste Runde gegen Furth gewinnen und holte danach fünf relativ knappe Niederlagen in Folge. Gegen uns traten sie nun allerdings mit der besten Aufstellung der Saison an, womit sich unsere Favoritenrolle beinahe in Luft auflöste. Nachdem ich bislang nur zwei Spiele der Mannschaft verpasst hatte, habe ich mich entschlossen, dem Finale ebenfalls als Zuschauer beizuwohnen und mitzufiebern.




Bereits früh nach dem Beginn der Partien konnte ich im Ligamanager sehen, dass Furth gegen Roding erneut kampflos aufgeben musste, womit einerseits in allen Begegnungen der Saison zwischen Schwandorf, Roding und Furth die Heimmannschaft jeweils kampflos gewann, und andererseits uns ein 3,5:0,5 nun auf jeden Fall zum alleinigen Tabellensieg reichen würde. Jedoch verlor Azita Esfandiari im Turmendspiel etwas den Faden und gab sich dem Sulzbacher Patrick Sponsel geschlagen.
Die übrigen drei Brettern blieben zunächst schwer umkämpft:



Marco Schart gab sich am dritten Brett gegen den formstarken Tobias Biesler keine Blöße und gab korrekterweise ein Dauerschach. Am zweiten Brett spielte Stephan Forster gegen Ottmar Mühlberger ein komplexes Damenendspiel mit zwei Mehrbauern, während am ersten Brett Klaus Groß gegen Peter Weszka für seinen Minusbauern das aktive Spiel seiner Figuren gut nutzen konnte, sodass dort alle drei Ergebnisse noch möglich schienen.
Während dementsprechend an den ersten beiden Brettern jeweils noch ein langer Kampf bevorstand, blickte ich ganz neugierig in den Ligamanager, ob eventuell bereits neue Ergebnisse aus den anderen Begegnungen eingetragen waren. Tatsächlich wurden die verbleibenden beiden Mannschaftskämpfe bereits beendet. Schwandorf gewann mit 2,5 Punkten gegen Oberviechtach 4, während wiederum Oberviechtach 3 ebenso knapp bei den Erbendorfern gewann. Somit behielt der SC Roding 2 die provisorische Tabellenführung, jeweils einen halben Brettpunkt vor den punktgleichen SV Oberviechtach 3 und SK Schwandorf 4. Sollten wir beide verbleibenden Bretter gewinnen, würden wir wiederum einen halben Brettpunkt vor den Rodingern die sichere Tabellenspitze erringen. Ansonsten würde uns durch das Liegenlassen eines Mannschaftspunktes nur der vierte Platz bleiben.
Nach zwei weiteren langen Wartephasen mit Marco Schart und dem Sulzbacher Zuschauer und Spitzenspieler Lukas Pilhöfer wickelte Forster sein Damenendspiel zunächst in ein gewonnenes Bauernendspiel mit einem Mehrbauern ab, bevor er einen Bauerntausch erlaubte, mit dem er die Gewinnstellung vergab. Die Stellung flachte bald in ein theoretisch triviales Remis für den Gegner Mühlberger ab.

Somit war ich nun in der Gewissheit, dass auch ein Sieg von Groß nun nicht mehr zum Tabellensieg genügen würde. Nachdem ich mir einige aufmunternde Worte für Forster, der in den vergangenen beiden Saisons durchwegs überzeugendes und fehlerarmes Schach gezeigt hatte, überlegt hatte, ging ich in den Turnierraum zurück, um schockiert zu sehen, wie Schwarzspieler Forster gerade das Ergebnis 0:1 auf sein Formular schrieb. Mühlberger hatte mit Ke1 die Pattfalle Kf1 verpasst und so Forster doch noch die Bauernumwandlung erlaubt.
Dadurch flammte nun also doch die alte Spannung wieder auf. Von den Kopfschmerzen einer Erkältung und vieler gespielten Blitzpartien mitgenommen schaffte ich es nicht mehr, der verbleibenden Partie von Klaus zu folgen. Daher zog ich mich mit Marco endgültig in den Vorraum zurück, um ungeduldig das Resultat abzuwarten. Nach einer Weile kam Pilhöfer aus dem Spielraum, um erst zu verkünden, dass die Stellung für Klaus nun wohl gewonnen sei, nur um einige Züge später ein sicheres Remis anzukündigen. Ob der Geschehnisse des Tages ließ mich diese Aussage jedoch unüberzeugt. Letztlich blieb weiteres Chaos aus. Klaus Groß und Peter Weszka trennten sich in einem Remis. Eine nachträgliche Überprüfung der Partie mit dem Computer zeigte, dass Pilhöfers Analyse korrekt war und Klaus tatsächlich einige Züge lang eine Gewinnstellung hatte. In den Komplikationen dieses Endspiels war die Gewinnmöglichkeit an dieser Stelle jedoch nicht sehr leicht zu verstehen.


Nach dieser Saison und diesem packenden Finale freue ich mich bereits sehr auf die neue Saison und kann es jedem angehenden Schachfreund nur ans Herz legen, diese Ligaspektakel als Spieler oder Zuschauer mitzuerleben. Wie heißt es so schön? Dabei sein ist alles!